Abwarten und Tee trinken!?

Tee trinken: gern. Abwarten: nein danke.

Warten fühlt sich nicht gut an. Die Warteposition ist keine komfortable Position. Sie bringt uns nicht weiter. Und das, obwohl sie uns gedanklich ständig in die Zukunft trägt. In eine Zukunft, die wir offensichtlich gerade nicht beschleunigen, nicht steuern können. Aber genau dadurch holt uns das Warten aus dem Hier und Jetzt. Dass uns das nicht gut tut, merken wir an dieser Unruhe in uns. Was also tun, wenn wir auf Bus oder Bahn warten, oder in den langen Minuten, Stunden, Wochen, in denen wir sehnsüchtig auf Nachrichten, Menschen oder Ereignisse warten? In all diesen Momenten, in denen wir gern an der Uhr drehen würden und uns unsere Ohnmacht ins Gesicht springt.

Im besten Falle: loslassen. Nur – das scheint die Königsdiziplin zu sein und damit müssen wir ja nicht gleich anfangen. Also was tun, wenn loslassen eben nicht gelingen will? Wie bei so vielem ist die Antwort einfach und schwierig zugleich: den Moment erleben. Ganz intensiv. Ganz bewusst. Mit allen Sinnen.

Wenn wir uns nicht von der Ungewissheit und der Zähigkeit des Wartens dominieren lassen wollen, dann geht es zunächst darum, ganz aufmerksam wahrzunehmen, was jetzt ist. Um uns herum, in uns drin. Was ist da an Geräuschen, Gerüchen, Eindrücken, Empfindungen, Gedanken?  In diesem Moment. Was also höre ich, was sehe ich, was rieche ich? Und was spüre ich, genau jetzt? Schmerzen, Wärme, Anspannung, Unmut, Freude, Lust auf etwas?

Immer dann, immer wenn wir denken, wir müssten jetzt auf etwas warten, dann hilft es, das Sein in Gänze zu erleben – und anzunehmen. Die Gefühle da sein zu lassen, sie vielleicht sogar für uns selbst laut zu artikulieren oder niederzuschreiben. Und dann zu spüren, was uns jetzt gut tun würde und uns zu überlegen, wie wir uns selbst etwas Gutes tun können. Alles, was uns jetzt gut tut, und sei es noch so klein, bringt uns wieder näher zu uns selbst. Alles, was uns gut tut, hilft, das Leck zu stopfen, das uns im Warten stumm anschreit.

Dadurch, dass wir für uns sorgen, sind wir wieder im Handeln, in der Selbstwirksamkeit. Wir wehren uns damit nicht nur gegen dieses Ohnmachtsgefühl, sondern erleben durch den Fokus auf die Wahrnehmung tatsächlich mehr: den Reichtum des Moments. Das Warten überdeckt oft die schönsten Momente. Lassen wir nicht die Ohnmacht siegen, sondern das Leben in all seiner Fülle.

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Weil „leben lernen“ nie aufhört.

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